Heringsdorf

Das Seebad Heringsdorf ist das bekannteste Bad auf der Insel Usedom. Es erhielt im Jahr 1820 die Bezeichnung „Seebad" und ist damit – nach Swinemünde – das älteste Seebad der Insel. Der heute über 4000 Einwohner zählende und damit größte Ort auf Usedom liegt zwischen Bansin und Ahlbeck, im Zentrum der drei „Kaiserbäder". Da hier zu früheren Zeiten gerne der deutsche Adlige und Mitglieder der kaiserlichen Familie dort ihre Erholung suchten, bekam Heringsdorf zusammen mit Bansin und Ahlbeck diesen Beinamen. Seit 2006 sind die drei Kaiserbäder zu einer gemeinsamen Gemeinde zusammengeschlossen, das Seeheilbad Heringsdorf.

Gegründet wurde das Dorf 1818 als Fischersiedlung vom Oberforstmeister Georg Bernhard von Bülow. Er ließ auf dem Kulm das „Weiße Schloss" bauen. Es ist das heute älteste Haus von Heringsdorf und wurde im Stil eines Gutshauses gebaut. Von Bülow war ein guter Geschäftsmann und hat durch sein Wirken sehr dazu beigetragen, dass Heringsdorf zur Sommerresidenz vieler reicher Berliner und Blaublüter wurde. Er achtete bei der Erweiterung von Heringsdorf strikt darauf, dass ein Großteil Natur erhalten blieb. So wurde ein Großteil des Buchenwaldes bis heute stehen gelassen und man hat den Eindruck, dass man direkt im Wald wohnt. Den Namen Heringsdorf erhielt das ehemalige Fischerdorf vom preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm, der 1820 bei seinem dortigen Aufenthalt gebeten wurde, dem Ort einen Namen zu geben. Vermutlich war der starke Geruch nach Hering, der im Dorf verarbeitet wurde, ausschlaggebend für die Namensgebung.

Ein weiterer bedeutender Bau ist die Kirche von Heringsdorf. Nachdem viele Jahre für den Bau der Kirche gesammelt wurde, konnte diese 1848 eingeweiht werden. Der neugotische Backsteinbau erhielt 1914 die Seitenschiffe und je einen spitzbogigen Arkadengang an der Nord- und Westseite.

1825 begann der Badebetrieb, jedoch folgte die offizielle Ernennung als Seebad erst im Jahr 1879. Verdanken ist dieser wichtige Schritt und auch die weitere Entwicklung zum erfolgreichsten Seebad Usedoms den Berliner Rechtsanwälten Hugo und Adalbert Delbrück, die 1872 die „Aktiengesellschaft Seebad Heringsdorf" gründeten. Von da an wurde der Badebetrieb systematisch gefördert. In dieser Zeit wurden unglaublich viele Häuser und Hotels gebaut. Heute stehen 100 Hotels, Pensionen, Restaurants und Wohnhäuser aus dieser Zeit unter Denkmalschutz.

Die Geschichte der Seebrücke von Heringsdorf geht bis ins Jahr 1878 zurück. Zunächst als kleiner Holzsteg für Boote konzipiert, wurde sie im Jahr 1891 wieder entfernt und statt dessen der Grundstein für eine neue Seebrücke gelegt, die als Holzbrücke auf mächtigen Pfeilern ruhte und in drei Abschnitte unterteilt war: die Eingangszone mit hölzernem Turm, ein 500 Meter langer Steg und er Brückenkopf mit ursprünglich vier Holzhäuschen. 1893 wurde die Kaiser-Wilhelm-Brücke eingeweiht. Winterliche Eisstürme und ein Brandt im Jahr 1958 zerstörten die Brücke jedoch vollständig. Erst im Jahr 1995 ließ eine private Gesellschaft die Brücke neu errichten. In Anlehnung an das Original aus dem Jahr 1891 entstand an gleicher Stelle die neue Seebrücke mit Geschäftspassage und Ferienwohnungen, Kino und Discothek am Landende im Strandbereich, dem 500 Meter langen Steg und dem Brückenkopf mit einem Restaurantgebäude („Pyramide") und Schiffsanleger. An letzterem kann man Schiffsausflüge nach Polen oder in die anderen Seebäder unternehmen.

Die berühmtesten Gäste im Seebad Heringsdorf waren Theodor Fontane, Thomas Mann, Lyonel Feininger, Johann Strauß, König Friedrich Wilhelm IV von Preußen und Kaiser Wilhelm II, sowie der russische Schriftsteller Maxim Gorki, nach dem auch eine Straße benannt wurde.

Sowohl den Ersten wie auch den Zweiten Weltkrieg hat Heringsdorf ohne schlimmere Blessuren überstanden. In DDR-Zeiten jedoch gab es viele Brände, die – zusammen mit dem zerstörerischen Wirken des Freien Deutschen Gewerkschaftsbund – zu einer erheblichen Zerstörung des kulturellen architektonischen Erbes Heringsdorfs geführt haben. Dennoch sind noch viele historische Gebäude erhalten geblieben, die einen Einblick in die damalige Bädergründerzeit geben.

Die sehenswertesten Häuser im Stil der Bäderarchitektur sind die „Villa Oechsler", „Villa Staudt", „Villa Oppenheim" und „Villa Diana" in der Delbrückstraße und die „Villa Irmgard" in der Maxim-Gorki-Straße.

Der Strand von Heringsdorf hat teilweise eine Breite von 100 Metern und wurde vor Beginn des Badebetriebes vor 200 Jahren noch von Seehunden bevölkert. Mit dem Aufkommen des Badetourismus wurde die possierlichen Tiere jedoch verjagt – und durch den Menschen ersetzt. Es gibt hier mehrere Strandkorb-Vermietungen, die im Sommer täglich zwischen 8 und 18 Uhr Strandkörbe vermieten. Sogar eine eigene Strandkorbfabrik (Korb GmbH) gibt es in Heringsdorf, lokalisiert im Waldbühnenweg. So viele Strandkörbe, aber trotzdem noch genug Platz zum Sandburgen bauen und um auf einem banalen Handtuch zu liegen. Es gibt auch einen Abschnitt für Hunde und deren Besitzer, so dass andere Badegäste nicht gestört werden.

Seit 1996 ist auch für Badespaß im Herbst und Winter oder für regnerische Urlaubstage gesorgt: die Ostseetherme hat 6 verschiedene Becken (inklusive Kinderlandschaft), Sauna, Kosmetik- und Massagestudio und Fitnessbereich, da ist für jeden die passende Aktivität vorhanden. Lokalisiert ist das Schwimmbad in der Nähe des Heringsdorfer Bahnhofs. Für mehr Informationen gilt folgender Link: http://www.ostseetherme-usedom.de

An der Promenade in Heringsdorf befindet sich zudem ein Spielcasino, in welchem der Urlauber die Möglichkeit hat, seine Urlaubskasse etwas aufzubessern. Die Spielbank hat zwischen 11 Uhr morgens und 2 Uhr nachts geöffnet. Live-Spiele gibt es ab 19 Uhr und kosten 5 € Eintritt.

Etwas weniger riskant geht es in der Sternenwarte „Manfred von Ardenne" zu. Zu finden ist die Sternwarte von der Seebrücke aus an der Strandpromenade entlang in Richtung Ahlbeck. Der erste Strandaufgang nach dem Sportplatz führt zur Sternwarte. Bei klarem Himmel finden abends ab dem Frühjahr Führungen am Strand entlang statt, die natürlich den Blick nach oben gerichtet haben. Zudem werden diverse Diavorträge in den Räumlichkeiten der Sternwarte abgehalten, die dem Besucher Einblick in die Astronomie geben. http://www.sternwarte-usedom.de/

Das Theaterzelt „Chapeau Rouge" öffnet zwischen Mai und August seine Pforten. Seit 1993 befindet es sich an der Strandpromenade in Heringsdorf und bietet nicht etwas Zirkusprogramm. Es handelt sich hierbei in der Tat um ein Theater, in dem Schauspiel, Kabarett, Revue aber auch Konzerte und Stücke für Jugendliche und Kinder aufgeführt werden. Für mehr Informationen gilt diese Link: http://www.chapeau-rouge.de/index.php?id=160

Die „Villa Irmgard" dient heute als Museum. In Ausstellungen werden hier Informationen zur Geschichte des Seebades und zum Aufenthalt des russischen Dichters Maxim Gorkis in diesem Haus bereitgestellt. Im weiteren Programm finden sich zudem Konzerte und Vorträge. Geöffnet ist das Museum Dienstags bis Sonntags von 10-12 und von 13-16 Uhr.