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Ahlbeck
Ahlbeck ist das östlichste der drei „Kaiserbäder" der Gemeinde Seebad Heringsdorf auf der Insel Usedom. Es liegt kurz vor der polnischen Grenze und dem polnischen Seebad Swinemünde. Der Ort zählt heute ca. 4000 Einwohner und gehört damit zu den größten Orten der Insel.
Die Geschichte des Ortes geht bis ins Jahr 1699 zurück, als ein Müller vom Baron von der Lühne, dem Besitzer des Gutes Mellenthin, die Genehmigung zum Bau einer Wassermühle an der Mündung des Aalbaches erhielt. Der Bach wurde in Mundart auch „Aal-Beck" genannt – der heutige Name des Ortes war entstanden. Dieser Bach war ein natürlicher Wasserlauf, der vom Gothensee in die Ostsee floß. Schon im 17. Jahrhundert wurde die Mündung als Becken für gefangene Aale genutzt. Dennoch – die Siedlung zwischen Wald und Dünen war zunächst sehr klein und hatte nur 5 Familien als Einwohner. Ab 1772 wurde beschlossen, den Thurbruch zu regulieren, wodurch der Müller arbeitslos wurde, da aus seiner Mühle das Mühlwerk entfernt wurde – denn seine Mühle führte zu einem Aufstau des Aalbecks, wodurch das Hinterland überschwemmt wurde. Im Zuge der Regulation wurde die „Beck" gereinigt und das Wasser aus dem Thurbruch konnte ungehindert abfließen. Ein paar Jahre später wurden hier zwölf Kolonisten angesiedelt, die dafür Sorge zu tragen hatten, dass dieser Zustand blieb. Ab 1820 wurde Ahlbeck zum Fischerdorf, als der Forstmeister Bernhard von Bülow den Ort im Zuge des Verkaufs der Güter von Mellenthin erwarb. Lange Zeit lebten die Einwohner von Ahlbeck vom Fischfang und Kleinhandel mit dem Nachbarort Swinemünde. Im Ortskern von Ahlbeck befinden sich heute noch historische Fischerhäuser. Das Fischerhaus in der Talstraße, ein verputztes Fachwerkhaus mit Rohrdach, dient heute als Heimatmuseum und bietet eine Ausstellung zur Geschichte Ahlbecks.
Der Badebetrieb begann dann 1852, als ein Gutspächter aus Stolpe seine Kinder und deren Erzieherin nach Ahlbeck schickte, um sie im Meer baden und die gute Seeluft atmen zu lassen. Er ließ ein Badezelt errichten, in dem seine Kinder vor den Blicken Unbefugter geschützt waren. Zehn Jahre später waren es dann schon 314 Badegäste, die regelmäßig in Ahlbeck Urlaub machten. Nun wurden auch zwei hölzerne Badeanstalten errichtet. Nochmal zehn Jahre später wurde das erste Hotel gebaut („Wendickes Hotel" heute „Meereswelle") in der Seestraße. 1881 waren es dann mehr Gäste als Ahlbeck unterbringen konnte. Finanzielle Engpässe verhinderten den weiteren Ausbau des Ortes zum Seebad. Erst 1885 wurden weitere Pensionen gebaut, 1893 ein Postgebäude, ein Jahr später erfolgte der Anschluss ans Eisenbahnnetz und 1896 das heute noch vorhandene Warmbad – wodurch es sich den Beinamen „Familienbad" erwarb.
Die Kirche wurde 1895 auf der höchsten Düne Ahlbecks als neugotischer Backsteinbau mit eingerücktem Westturm gebaut. Die Seestraße wurde in diesen Jahren zur Einkaufsflaniermeile und lud die Badegäste zum Konsumieren von Waren und kulinarischen Genüssen ein.
Im Jahr 1898 erhielt Ahlbeck dann auch seine Seebrücke: ein breiter, hölzerner Steg von 280 m Länge mit rechteckiger Plattform, auf dem ein Pavillon mit Ecktürmchen errichtet wurde. Bis Mitte der 1930er Jahre wurde die Seebrücke erweitert und rekonstruiert. Diese Seebrücke ist die einzige noch erhaltene Seebrücke dieser Art aus dem 19. Jahrhundert – unzerstört hat sie die Zeit überdauert. Erst im Jahr 1970 musste sie restauriert werden und im Jahr 1993 wurden Erneuerungsarbeiten durchgeführt. Ein Badegast spendete die Jugendstiluhr am Brückenzugang. 1991 drehte Loriot einige Szenen seines Films „Papa ante Portas" auf der Ahlbecker Seebrücke – dafür bekam sie sogar extra einen neuen weißen Anstrich.
Bis zum Jahr 1938 nahm die Zahl der Badegäste kontinuierlich zu. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Badebetrieb eingestellt und die Pensionen umfunktioniert zu Lazaretten oder als Herberge für Kinder aus zerbombten Städten. Im Mai 1945 wurde der Ort kampflos an die Rote Armee übergeben, wodurch die vielen Flüchtlinge und Verletzten vor Tod und die Stadt vor Zerstörung bewahrt wurde.
Zu DDR-Zeiten war der FDGB-Feriendienst der Hauptarbeitgeber des Seebades. In dieser Zeit wurden viele Hotels als Ferienheime umgebaut und auch Ferienheime neu hinzu gebaut. Damit zählte das Seebad Ahlbeck in den 1960er Jahren zu den größten Erholungsorten der DDR.
Auch Ahlbeck glänzt mit Villen und Bauten im Stil der Bäderarchitektur, die fast komplett unbeschadet Kriege und Umbauarbeiten des DDR-Regimes überdauert haben. Entlang der Strandpromenade findet man die schönsten Häuser in diesem Stil.
Das traditionelle Eisbaden am Strand von Ahlbeck lockt seit 1995 zahlreiche Besucher zum Valentinstag an. Über 200 hartgesottene, kälteresistente Schwimmer und mehr als 1000 Zuschauer nehmen an diesem Spektakel teil.
Der Park an der Lindenstraße beherbergt seit 1954 ein Denkmal für Opfer des Faschismus. 15 Bürger Ahlbecks waren davon betroffen und ihrer wird hier gedacht.
Der Polenmarkt oder auch Grenzmarkt genannte Markt befindet sich im benachbarten Swinemünde, rund zwei Kilometer entfernt. Dieser Markt ist weit bekannt und fast komplett an die Kaufgewohnheiten der Deutschen Urlauber angepasst. Hier gibt es fast alles. Und alles zu günstigen Preisen. Vielleicht ist deshalb die Schlange wartender Leute am Grenzübergang so lang... des Deutschen Hang zur Schnäppchenjagd ist schließlich weltbekannt.
Wer sich für Kunst interessiert, sollte sich die jährliche „Pleinair – 7 Malen am Meer"-Woche im Mai nicht entgehen lassen. Von einer Jury werden 7 Künstler ausgewählt, die eine Woche lang in den drei Kaiserbädern und deren Umgebung auf Motivjagd gehen und vor Ort in freier Natur ihre Kunstwerke malen. Die so gemalten Werke werden in der „Villa Irmgard" in Heringsdorf ausgestellt.
Für kalte und nasse Tage eignet sich die Ostseetherme am Rande Ahlbecks in Richtung Heringsdorf. Das Schwimmbad hat fünf Innenbecken und ein Außenbecken, darunter ein Solebecken, Kinderlandschaft und Babybecken, sowie eine Saunalandschaft mit Wellness-Angeboten wie Massagen und kosmetische Behandlungen und Ruheraum. So können auch regnerische Tage aktiv und mit Spaß verbracht werden. http://www.ostseetherme-usedom.de/
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