Historisches Badewesen

Die ersten Seebäder und Badeanstalten, die vor allem der Gesundheitsförderung dienlich sein sollten, entwickelten sich im 18. Jahrhundert in England, zunächst vornehmlich für die Reichen im Lande. Bekannte Badeorte waren Bath, Brighton, Hastings, Scarborough, Margate und Ramsgate. Richard Russel, ein britischer Arzt Anfang des 18. Jahrhunderts, gilt als einer der Begründer der Thalasso-Therapie und beschäftigte sich mit der gesundheitsfördernden Wirkung von Meerwasser. Das Baden im Meer wurde sogar zu einer Mode in England, der sich jeder von Rang und Namen anschloss. Ende des 18. Jahrhunderts war es auch in Deutschland soweit – Heiligendamm bei Bad Doberan an der Ostsee wurde 1793 zum ersten deutschen offiziellen Seebad.

Natürlich sprang man damals als Mensch der feinen Gesellschaft nicht im Bikini (der übrigens in seiner Urform schon im Altertum genutzt wurde!) oder gar nackt ins Meer. Die Moralvorstellungen der damaligen Zeit ließen so etwas nicht zu. Das Baden im Meer wurde nach strengen Regeln durchgeführt, die peinlich genau befolgt wurden. Männer und Frauen durften nicht gemeinsam baden. Zudem mussten die Körper von Badekostümen bedeckt sein. Aber selbst das reichte nicht aus. Es gab Badekarren, die komplett verschlossen waren. Man stieg in diesen Badekarren ein, zog sich um und wurde dabei von einem Pferd ins Wasser gezogen. Eine kleine Holztreppe auf der Meeresseite des Wagens führte dann in das hüfttiefe Wasser. Man wurde nicht gesehen, denn die Treppe wurde mit großen Jalousien verdeckt, die bis in Wasser reichten. Ein sehr einsames Badevergnügen, aber die Sittsamkeit musste selbstverständlich gewahrt werden.

Als im Laufe der Jahre der Badetourismus immer mehr anstieg, konnte der Bedarf an solchen Badekarren nicht mehr gedeckt werden. So wurden überall in den Seebädern Badehäuser erreichtet, die nicht mehr mobil waren, sondern ins Meer hineinragende stabile Holzbauten auf Pfählen. Diese besaßen Umkleidekabinen von denen aus man über eine Plattform und Treppe ins Meer hinabsteigen konnte. Diese Badehäuser wurden meistens hufeisenförmig angelegt mit der offenen Seite zum Meer hin. So konnten die Badenden weder vom Strand noch von der Promenade aus beim Planschen beobachtet werden.

Die Badehäuser von Männern und Frauen waren auf verschiedenen Strandabschnitten lokalisiert, zu denen zu den Badezeiten nur das entsprechende Geschlecht Zugang hatte. Dies wurde auch polizeilich kontrolliert und bei Nichteinhalten der Regeln mit hohen Bußgeldern bestraft.

Anfang des 20. Jahrhunderts lockerten sich die Badevorschriften allmählich. Es wurden zunächst Familienbäder gebaut, in der jeweils eine Familie mit Mutter, Vater und den Kindern baden konnte. Die Familienzugehörigkeit musste jedoch mit Urkunden dem Bademeister nachgewiesen werden. 1923 wurde dann in Bansin die erste Freibadeerlaubnis erteilt. Nun konnte man in den – immer noch recht hochgeschlossenen, dunklen und blickdichten Badekostümen – frei im Meer baden. In den kommenden Jahren wurden die Badehäuser überflüssig und wurden abgerissen. Teilweise wurden die Badekarren jedoch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein genutzt – als Umkleidekabinen am Strand.

Um sich dennoch ein wenig vor Blicken und Wind und Wetter am Strand zu schützen, kamen dann die ersten Strandkörbe auf, die bis heute noch Tradition haben und immer mehr Freunde finden.